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20.11.2018

Wenn das Herz außer Takt gerät…

„Herz außer Takt“ war das Motto der diesjährigen Herzwoche der Deutschen Herzstiftung. Im Zentrum der Veranstaltung standen die Ursachen und Symptome von Vorhofflimmern, die Gerinnungshemmung sowie aktuelle Therapiemöglichkeiten der gefährlichen Erkrankung.

Beim Vorhofflimmern handelt es sich um eine Herzrhythmusstörung mit anhaltend unregelmäßigem und oft zu schnellem Herzschlag. Vorhofflimmern ist die mit Abstand häufigste Herzrhythmusstörung und gilt mit rund 1,8 Millionen betroffenen Menschen in Deutschland als Volkskrankheit. Man schätzt, dass sich die Zahl der Betroffenen bis zum Jahr 2050 mehr als verdoppeln wird. Die Wahrscheinlichkeit, an Vorhofflimmern zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter. Männer trifft es häufiger als Frauen. Jährlich initiiert die Deutsche Herzstiftung die sogenannte Herzwoche, bei der sich das CaritasKlinikum Saarbrücken St. Theresia mit Aufklärungsbeiträgen beteiligt. In drei anschaulichen und allgemeinverständlichen Vorträgen informierten Spezialisten der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie im Rahmen eines Patientenseminares, das letzten Donnerstag auf großes Interesse stieß.  

 

Den Anfang machte Dr. Christian Stodden, Oberarzt der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie, der in seinem Vortrag zunächst Ursachen und Symptome des Vorhofflimmerns erläuterte. „Das Herz schlägt oft unregelmäßig und schnell, mit einem Puls von bis zu 160 Schlägen pro Minute. Ein normaler Puls liegt zwischen 60 bis 100 Schlägen“, so Christian Stodden. Mit dem Alter steige die Gefahr und durch Risikofaktoren wie z. B. Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht, Alkohol und Rauchen, aber auch nach Herzoperationen ist man gefährdet, Vorhofflimmern zu bekommen. „Vorhofflimmern ist eine ernst zu nehmende Herzrhythmusstörung und eine der Hauptursachen für Schlaganfall. Schlaganfälle mit Vorhofflimmern verlaufen in der Regel auch schwerer wie normale Schlaganfälle“, betonte Herzspezialist Stodden und warnte mehrfach, dass das Schlaganfallrisiko erheblich ansteigt wenn es unbehandelt bliebe. Tückisch ist, dass Vorhofflimmern auch ohne Symptome oder Beschwerden auftreten kann und dadurch lange Zeit unbemerkbar bleibt. Andere hingegen leiden unter starken Beschwerden wie Herzrasen, Atemnot, Druck auf der Brust und eingeschränkter Belastbarkeit. Doch was kann man tun wenn man keine Beschwerden habe.

 

„Auch wenn man keine typischen Symptome merkt, kann man sich schützen. Seien sie wachsam und fühlen sie gelegentlich den Puls“, bemerkte Professor Michael Kindermann, Chefarzt der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie, der in einem weiteren ausführlichen Vortrag berichtete, welche Bedeutung die Gerinnungshemmung in der Behandlung von Vorhofflimmern spielt. „Am bedeutsamsten bei der Behandlung von Vorhofflimmern ist die Minimierung des Schlaganfallrisikos. Hierzu ist eine Blutverdünnung erforderlich. Gerinnungshemmung ist sehr wichtig und die meisten Menschen benötigen es im hohen Alter“, erklärte Kindermann. Neben dem berühmten Marcumar stehen inzwischen auch neue Gerinnungshemmer (NOAKs) zur Verfügung. Über Risiken der Blutgerinnung sowie Vor- und Nachteile der Möglichkeiten zur Gerinnungshemmung mit den neuen Medikamenten klärte Kindermann die Zuhörer ausführlich auf. „Umso wichtiger sei daher die ständige Kontrolle und eine individuell angepasste Behandlung“, fasste Professor Kindermann seinen Vortrag zusammen.

 

Abschließend referierte Dr. Andreas Johanns, Oberarzt der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie, über Therapiemöglichkeiten bei akuten und dauerhaften Vorhofflimmern. Johanns gab einen Überblick über die medikamentöse Therapie und ging dabei auf die Einsatzmöglichkeiten unterschiedlicher Medikamente ein. Anhand von Beispielen machte er deutlich, dass er für jeden Patienten individuell das passende Medikament auswählen muss. In jüngster Zeit werden vorrangig neuere Medikamente empfohlen und mit gutem Erfolg eingesetzt. Weiterhin stellte er die Katheterablation vor, einen medizinischen Eingriff, der anstelle einer medikamentösen Therapie bei Vorhofflimmern infrage kommen kann.

 

„Die Resonanz dieser Veranstaltung zeigte uns wieder, wie wichtig die Themen rund um die Herzerkrankungen sind und wie hoch der Bedarf an Aufklärung ist“, schlussfolgerte Professor Michael Kindermann. An die Vorträge der Herzspezialisten knüpfte sich ein reger Austausch, bei dem die Besucher über ihre eigene Erkrankung berichteten und persönliche Fragen stellten. Die Deutsche Herzstiftung informierte an einem Stand und hielt umfangreiches Informationsmaterial bereit.

 

Text und Foto: Silke Frank