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05.12.2018

Im Notfall zählt jede Sekunde

Eine gesunde Lebensweise kann Herzinfarkt und Schlaganfall vorbeugen. Im Rahmen der Präventionskampagne „Herzinfarkt und Schlaganfall“ des saarländischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie veranstaltete das CaritasKlinikum Saarbrücken die Patientenveranstaltung „Herz & Hirn“.

„Einen gesunden Lebensstil können wir nicht verordnen, aber wir können die Bürgerinnen und Bürger motivieren, etwas für ihre Gesundheit zu tun“, begrüßte Ministerialrätin Brigitte Schmidt-Jähn vom Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie die Besucher der Patientenveranstaltung „Herz & Hirn“ im CaritasKlinikum Saarbrücken St. Theresia.

 

Herzkreislauferkrankungen stellen den häufigsten Grund eines Krankenhausaufenthaltes dar und sind immer noch die Haupttodesursache. Zur Krankheitsgruppe gehören der Herzinfarkt und der Schlaganfall. Mit der Präventionskampagne „Das Saarland lebt gesund“ und dem 2015 verabschiedeten Präventionsgesetz hat sich das saarländischen Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie zum Ziel gesetzt, Bequemlichkeit und jahrelange Verhaltensweisen, wie z. B. eine ungesunde Ernährung oder Bewegungsmangel aufzubrechen, die Saarländer zu einer gesunden Lebensführung zu sensibilisieren und die Menschen dort abzuholen wo Prävention einen Sinn macht. Auch das CaritasKlinikum hat sich der Präventionskampagne angeschlossen und informiert mit verschiedenen Fachveranstaltungen die Bevölkerung.

 

Das ein Schlaganfall jeden treffen kann, auch junge Menschen, das ist vielen nicht bewusst. Er ist fast noch mehr gefürchtet als der Herzinfarkt. „Der Schlaganfall stellt weltweit die häufigste Ursache für eine lebenslange körperliche Einschränkung dar“, erläuterte Dr. Christoph Massing, Oberarzt der Neurologischen Klinik, in seinem Vortrag. „Wer die Symptome, wie Seh- und Sprachstörungen, Lähmungen und Taubheit sowie Schwindel und starke Kopfschmerzen erkennt, hat gute Chancen“, erläuterte Dr. Christoph Massing. „Die Ursachen sind oft hausgemacht und lassen sich relativ leicht vermeiden: Mangelnde Bewegung, eine ungesunde Ernährung, Rauchen, zu viel Alkohol, Stress und ein nicht behandelter Bluthochdruck.“ Durch rasches und richtiges Handeln könne die Prognose deutlich verbessert werden: „Ein Schnelltest, der nur wenige Sekunden dauert gibt ihnen Aufschluss. Bitten sie die betroffene Person zu lächeln, denn ein schiefer Mundwinkel kann schon auf einen Schlaganfall deuten. Lassen sie die Person einen einfachen Satz nachsprechen, um so Wortfindungsstörungen zu testen. Um eine Lähmung zu erkennen, soll die Person beide Arme gleichzeitig heben.“ „Eines dieser Signale reicht aus, um sofort die 112 rufen. Wenn man schnell reagiert, hat man gute Chancen ohne Einschränkungen aus einem Schlaganfall rauszugehen“, bekräftigte Massing zum Abschluss seines Vortrages.

 

„Im Notfall zählt jede Sekunde. Je mehr Zeit verstreicht, umso mehr Gehirnzellen sterben ab“, erklärte Professor Anastasios Chatzikonstantinou, Chefarzt der Neurologischen Klinik zum Thema Akutversorgung, Abklärung und Vorbeugung eines Schlaganfalls. Bereits beim Auftreten der ersten Symptome muss unverzüglich der Rettungsdienst gerufen werden. „Wichtig ist hier das Zeitfenster bei der Akutversorgung“, sagte Chatzikonstantinou und beschrieb den Besuchern den Ablauf von der Erstversorgung bis hin zur Überwachung auf der Schlaganfallstation. „Sehr wichtig für die Therapie ist die Aussage, wann die ersten Symptome aufgetreten sind. Der Beginn der Symptome ist nicht gleich das Auffinden des Patienten.“

 

„Wir alle können sehr wohl etwas dagegen tun. Die beeinflussbaren Risikofaktoren machen beim Herzinfarkt und Schlaganfall 80-90 Prozent aller Fälle aus“, berichtete Professor Michael Kindermann, Chefarzt der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie, der die Schlaganfallabklärung und Schlaganfallvorbeugung in seinem Vortrag aus kardiologischer Sicht betrachtete. Die Risikofaktoren von Herzinfarkt und Schlaganfall sind sehr ähnlich. „Bewegung ist das A und O. Sie müssen nicht gleich den Saarbrücker Marathon laufen, aber 2-4 Stunden leichte körperliche Aktivität pro Woche senkt das Risiko um 40 Prozent“, empfiehlt Professor Kindermann.

 

„Wir gehen im Saarland von ca. 3.000 Herzinfarkten pro Jahr aus, die zweithäufigste Todesursache“, erklärte Dr. Peter Robert Ehrlich, Funktionsoberarzt der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie, in einem weiteren Vortrag. „Herzkranzgefäße sind die Benzinleitungen des Herzens. Wenn hier ein akuter Verschluss vorliegt, wird ein sehr großer Teil des Herzens nicht mehr mit Blut versorgt und es führt zum Herzinfarkt.“ Anschaulich präsentierte Ehrlich den Besuchern, wie sich durch Ablagerungen die Blutgefäße verengen können und es somit zum Herzinfarkt oder zum Schlaganfall kommen kann. Mit Hilfe eines Ballonkatheters wird dann im Zuge einer Herzkatheter-Untersuchung ein verengtes Gefäß wieder aufgedehnt. Hier kommt ein sogenannter Stent, ein gitterförmiges Geflecht in Röhrenform, zum Einsatz, der verhindern soll, dass sich die geweitete Stelle wieder verschließt und sorgt für einen ungehinderten Blutfluss.

 

Kommt es zu Engstellen in der Halsschlagader, spricht der Mediziner von einer Carotisstenose. Als Folge kann es zu einer Minderversorgung des Gehirns mit Sauerstoff und zum Schlaganfall kommen. Dr. Steffen Gatzen, Chefarzt der Klinik für Gefäß- und Endovaskularchirurgie, präsentierte in einem abschließenden Vortrag die Therapiemöglichkeiten bei Carotisstenosen.

 

Mit den Worten „Leben Sie gesund“, schloss Professor Chatzikonstantinou die Patientenveranstaltung und lud die Besucher zu einem regen Austausch ein.

 

Text und Fotos: Silke Frank