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20.06.2018

Für mehr Routine im Notfall

CaritasKlinikum Saarbrücken St. Theresia übt mit einem gespielten Feuer-Ausbruch die Abläufe in einer Krisen-Situation

Es ist 9:06 Uhr, als Rauch aus einem Patienten-Zimmer im dritten Stock des CaritasKlinikums Saarbrücken St. Theresia dringt. „Feuer! Ich brauche Hilfe!“, schreit Stationsleiter Matthias Becker, während er auf den roten Feuermelder drückt. Schon kommt seine Kollegin angerannt und die Beiden fangen an, die Patienten durch den sich immer schneller ausbreitenden Rauch aus ihren Zimmern zu retten.

 

Es ist nur eine Übung, was sich an diesem Morgen auf Station 34 des Klinikums auf dem Rastpfuhl abspielt. Eine Übung, um eine Evakuierung zu proben und den eigenen Katastrophenschutzplan, die internen und externen Schnittstellen sowie die Meldewege zu überprüfen. Doch alles soll so realistisch wie möglich dargestellt werden: Die jungen Schauspieler, die Patienten und Besucher darstellen, wurden geschminkt und eingekleidet und außer den Übungsverantwortlichen wurden im Vorfeld keine Kollegen im Haus über den plötzlichen „Brandausbruch“ informiert. So staunen die heraneilenden Ärzte und Pflegekräfte, die innerhalb von Minuten zur Stelle sind, nicht schlecht, als sie sich im Vorraum des Aufzugs mit einer stetig steigenden Anzahl von Betten voller hustender und stöhnender Menschen konfrontiert sehen.

 

Nach sechs Minuten ist bereits die gesamte Station geräumt und die Brandschutztür kann geschlossen werden, um das Übergreifen auf die benachbarte Station zu verhindern. Nur zwei Minuten später trifft Oberarzt Rainer Haas ein. Der leitende Anästhesist wurde über die Pforte informiert und trägt gut sichtbar eine gelbe Weste über seinem Kittel. Als Notfallmanager geht er von Patient zu Patient, verteilt die Teams und entscheidet binnen Sekunden, welcher Kategorie ein Jeder angehört, wie schwer also seine Verletzungen sind und wie schnell demnach eine weitere Versorgung gewährleistet werden muss. Er behält den Überblick in dem ständig anwachsenden Durcheinander aus Patienten, Ärzten und Pflegekräften.

 

Ein junger Mann, der in dem Zimmer des Brandausbruchs gelegen hatte, ist nicht mehr ansprechbar, er liegt im Koma. Die Ärzte entscheiden, dass er so schnell wie möglich auf die Intensivstation gebracht werden muss. Wie es in dem tatsächlichen Fall eines Feuer-Ausbruchs üblich wäre, wurden die Fahrstühle außer Funktion gesetzt. Also muss er auf eine Evakuierungstrage verladen und durchs Treppenhaus transportiert werden.

 

In den benachbarten Stationen kommen die Patienten aus ihren Zimmern. Neugierig schauen sie auf den Tumult auf dem Gang. „Es ist nur eine Übung“, ruft jemand. „Puh, jetzt bin ich aber erschrocken“, sagt eine Frau erleichtert.

 

Nach und nach treffen immer mehr Helfer von den anderen Stationen ein. Immer wieder wird der Ruf nach Sauerstoff laut, denn fast alle haben eine simulierte Rauchgas-Vergiftung. „Die Intensivstation ist momentan voll belegt. Im Ernstfall hätten wir jetzt anfangen müssen, die Schwerverletzten in umliegende Häuser zu verlegen“, erklärt Professor Andreas Sielenkämper. Der Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin ist hausinterner Beauftragte für interne und externe Gefahren. „Bisher hat eigentlich alles reibungslos funktioniert. Die Rezeptionsmitarbeiter haben vorbildlich die Alarmierungskette in Gang gesetzt und auch das Bereitstellen der zusätzlich benötigten Betten aus der Bettenzentrale lief einwandfrei.“

 

Kurz vor 10 Uhr ist das Übungsziel erreicht. Nach der schnellen Evakuierung in den nächsten Brandabschnitt wurden alle Patienten auf die angrenzenden Stationen beziehungsweise den Schockraum, die Notaufnahme und den Aufwachraum gebracht. Oberarzt Dr. Roland Cartarius erklärt die Übung für beendet. Als Projektleiter hat er alles beobachtet und dokumentiert. „Natürlich gab es anfangs eine Chaos-Phase, das ist normal. Aber bereits nach zehn Minuten waren alle 18 Patienten namentlich erfasst und einmal gesichtet, das ist enorm“, zieht er eine erste Bilanz.

 

Auch Dirk Mühlhäusler, der für das Brandschutzkonzepts des Klinikums verantwortlich ist, hat sämtliche Schritte genau mitverfolgt: „Das beherzte Eingreifen aller Beteiligten war gut. Durch das schnelle Schließen der Brandabschnittstür konnte in der angrenzenden Station normal weiter gearbeitet werden. Das zeigt noch einmal wie wichtig es ist, dass die Brandschutztüren gut gewartet werden.“

 

Stationsleiter Matthias Becker ist immer noch aufgewühlt von den Ereignissen der letzten Stunde: „Ich hatte den Stress-Pegel nicht so erwartet. Es war erschreckend, als ich dann plötzlich vor lauter Rauch nichts mehr gesehen habe. Das war sehr realistisch.“ Durch die überzeugende schauspielerische Leistung der Jugendfeuerwehr und Freiwilligen Feuerwehr Dudweiler sei das Gespielte sehr authentisch geworden.

 

Die Kaufmännische Direktorin Margret Reiter, die als Einsatzleitung die gesamte Übung aus dem Technikraum gesteuert und koordiniert hat, bedankte sich im Anschluss bei allen Beteiligten, sowohl für die gute Planung im Vorfeld als auch für die Abläufe während der Übung selbst. „Solche Übungen sind nach dem saarländischen Krankenhausgesetz und der Krankenhausalarmplanverordnung in regelmäßigen Anschnitten vorgesehen. Ich bin überzeugt, dass sie uns helfen, auch in Ausnahmesituationen mehr Routine zu bekommen“, sagte Reiter abschließend.

 

Text: Nele Scharfenberg
Fotos: Iris Maurer