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25.04.2019

Verständnis schaffen und kulturelle Hürden überwinden

Murat Ersoy ist der erste Integrationsbeauftragte am CaritasKlinikum Saarbrücken St. Theresia

Bis zu 50 Prozent der Patienten in deutschen Krankenhäusern haben einen Migrationshintergrund. Und auch bei den Mitarbeitenden in den Gesundheitsberufen ist die Tendenz steigend. Diese Zahlen und die daraus resultierenden Herausforderungen kennt Murat Ersoy genau. Der 37-Jährige ist seit März der erste Integrationsbeauftragte am CaritasKlinikum Saarbrücken. „Multikulturalität ist eins der zentralen Zukunftsthemen für Krankenhäuser. Gerade hier, wo täglich medizinisch, ethisch und wirtschaftlich hochsensible Entscheidungen getroffen werden müssen, ist eine kulturelle Öffnung unabdingbar.“

 

Murat Ersoy ist Logopäde und Fremdsprachenkorrespondent. „Mir war relativ früh klar, dass ich etwas mit Sprachen machen möchte. Mit verhältnismäßig einfachen Mitteln kann man in diesem Bereich so viel erreichen“, sagt der Sohn einer türkischen Gastarbeiterfamilie, der im Schwarzwald geboren und aufgewachsen ist. Ein Schlüsselerlebnis hatte Ersoy kurz nach dem Studium während seines ersten Arbeitseinsatzes an der Freiburger Uniklinik: „Ich hatte Kontakt mit einer türkischen Familie, die so positiv angetan war, dass ich ihnen mit ihren Sorgen und Ängsten auf Augenhöhe begegnen konnte. Sie haben sich gleich viel besser aufgehoben gefühlt. Das hat meine Motivation und mein Interesse geweckt. Ich wusste: Ich kann und will aktiv etwas bewirken und verändern.“

 

Bei seiner Recherche nach logopädischen Einrichtungen, die auf Mehrsprachigkeit spezialisiert sind, stieß Ersoy auf das Multilinguale Sprachtherapeutische Institut (MSI) am CaritasKlinikum Saarbrücken. Seit 2016 lebt und arbeitet er nun im Saarland. Hier reifte seine Idee weiter, Patienten und Mitarbeitern zu helfen, die im Klinikalltag vor kulturellen Herausforderungen zu stehen: Das Konzept eines Integrationsbeauftragten wurde geboren. „Mir war schon immer bewusst, wie sehr Patienten mit Migrationshintergrund im Klinikalltag vor Hürden gestellt werden. Durch meine Arbeit auf verschiedenen Stationen erlebe ich das tagtäglich live mit.“

 

Kommunikationsprobleme, mangelnde Kenntnisse der Institutionen im Gesundheitswesen und unterschiedliche Krankheits- und Gesundheitskonzepte sind nur einige potenzielle Problemfelder, die Murat Ersoy aufzählt. Klassische Konflikte seien etwa Familienangehörige, die als Dolmetscher fungieren und eventuell wichtige Informationen verzerren, reduzieren oder verschweigen, aber auch der Besuch einer ganzen Großfamilie am Krankenbett, der Unruhe in den Stationsalltag bringen kann. „In vielen Kulturkreisen wird es als unhöflich empfunden, seine Angehörigen nicht zu besuchen“, erklärt Ersoy und fügt hinzu: „Da muss man die Leute aufklären, dass es hier nicht üblich ist und auch für die Genesung nicht unbedingt förderlich. Rücksicht ist zwar immer gut, aber es gibt auch Grenzen und Regeln, die eingehalten werden müssen.“

 

Verständnis schaffen – das ist Murat Ersoys oberstes Ziel: „Man kann Schwierigkeiten nur bewältigen, wenn Verstehen da ist, wenn man die kulturellen Hintergründe kennt und dadurch Problemstellungen besser nachvollziehen kann. Oft reicht ein Wohlwollen aus, um eine Situation zu entschärfen, bevor es zu einem Konflikt kommt.“

 

Für seine neue Rolle als Integrationsbeauftragter hat der Logopäde 20 Stunden im Monat zur Verfügung. Um die Thematik in alle Bereiche des Krankenhauses hineinzutragen, wird Ersoy zukünftig an Teamsitzungen von Abteilungsleitungen, Chefärzten und Pflegedienstleitungen teilnehmen, sich bei Infoveranstaltungen für neue Mitarbeiten vorstellen und natürlich viel im Haus unterwegs sein, um zu erfahren, was die Kollegen bewegt. „Ich will und werde mir aktive Mitarbeit einfordern“, sagt er mit Nachdruck. „Wir haben das Potenzial und die kulturellen Hintergründe innerhalb der Klinik – von der Pflegekraft bis zum Chefarzt. Es gilt nur, sie aufzudecken und aktiv zu nutzen. Bisher hat einfach eine zentrale Anlaufstelle gefehlt.“

 

Als erste Schritte will Ersoy ein Dolmetschernetz innerhalb der Klinik aufbauen sowie mehrsprachiges Informationsmaterial zur Verfügung stellen. Mittelfristig könnte er sich zudem besondere Angebote wie Sprechstunden oder Info-Veranstaltungen vorstellen sowie die interkulturelle Schulung von Mitarbeitern. „Das ist keine kurzfristige Angelegenheit. Es geht momentan darum, die Weichen für die Zukunft zu stellen.“ Die Position soll aber nicht nur für Patienten, sondern auch für Mitarbeiter vorteilhaft sein, betont Ersoy. Es gehe nicht darum, eine bestimmte Personengruppe zu bevorzugen, sondern „ein positives Miteinander zu schaffen, damit allen Patienten die bestmögliche Behandlung zukommen kann“. Er will deutlich machen: Es gibt jetzt jemanden, der bei Ideen, Kritik und Anregungen da ist und zuhört.

 

Der Logopäde ist froh, dass das Thema bei der Krankenhaus-Direktion Anklang gefunden hat. „Als Murat Ersoy mit der Idee, einen Integrationsbeauftragten zu etablieren, zu mir kam, hat er damit offene Türen eingerannt“, sagt die Kaufmännische Direktorin des CaritasKlinikums, Margret Reiter. „Auswirkungen von sprachlichen und kulturellen Missverständnissen reichen von Mehrfachuntersuchungen, erhöhter Frustration und längerer Verweildauer bis hin zu Fehldiagnosen. Von der interkulturellen Öffnung profitieren die Patienten, die Mitarbeiter und am Ende die gesamte Klinik.“

 

Text und Foto: Nele Scharfenberg

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