Vor ziemlich genau 25 Jahren – am 1. Oktober 2001 – war Christian Wickerts erster Arbeitstag im CaritasKlinikum Saarbrücken. Wenn der heute 45-Jährige über seinen Beruf spricht, wird schnell klar: Für ihn ist sein Beruf weit mehr als ein Job. „Die Arbeit im Krankenhaus ist wichtig und abwechslungsreich. Ohne meine Arbeit kann ich nicht leben“, sagt der Saarbrücker. Und er hat nicht nur eine Berufung, - sondern gleich drei: als Fachkrankenpfleger auf der Intensivstation, als Notfallsanitäter und als Experte für das klinikinterne Notfallmanagement.
Geboren in Dudweiler, hatte Wickert ursprünglich einen ganz anderen Berufswunsch. „Eigentlich wollte ich Polizist werden.“ Eine Sportverletzung machte diesen Plan jedoch zunichte. Stattdessen besuchte er die Fachoberschule Sozialwesen. Die ersten Berührungspunkte mit dem Pflegeberuf hatte er bereits in der neunten Klasse bei einem Praktikum im Krankenhaus in Dudweiler. Der direkte Kontakt zu Menschen, helfen zu können und etwas Positives zu bewirken, beeindruckten ihn nachhaltig. Auch sein Engagement bei der Feuerwehr als Jugendlicher weckte früh sein Interesse an Notfallsituationen.
Von 1998 bis 2001 absolvierte Wickert seine Ausbildung in der Pflege und begann direkt im Anschluss seine Tätigkeit im CaritasKlinikum Saarbrücken. Zunächst arbeitete er in der Inneren Medizin, bevor er 2005 auf die Intensivstation wechselte. Bereits während seiner Ausbildung entdeckte er seine Leidenschaft für die Notfallmedizin. „Mich hat fasziniert, unter Zeitdruck und gleichzeitig sehr selbstständig arbeiten zu können. In kritischen Situationen zählt jede Entscheidung.“
Doch für Wickert war schnell klar, dass er seine Begeisterung für die Notfallversorgung nicht nur innerhalb der Klinik ausleben wollte. Deshalb absolvierte er 2002 zusätzlich die Ausbildung zum Rettungsassistenten und engagiert sich seitdem beim Deutschen Roten Kreuz. Von 2010 bis 2012 folgte die Fachweiterbildung für Anästhesie und Intensivmedizin, 2016 die Qualifikation zum Notfallsanitäter.
Heute teilt sich seine Arbeitszeit auf verschiedene Aufgabenbereiche auf: Rund 60 Prozent entfallen auf hausinterne Notfalltrainings, die Versorgung innerklinischer Notfälle, die Weiterentwicklung des Notfallmanagements sowie seine Arbeit im Lord-Zentrum für Medizinische Simulation. Die übrigen 40 Prozent verbringt er auf der Intensivstation.
Besonders am Herzen liegt ihm das Simulationszentrum. „Ich war von Anfang an dabei und habe das Zentrum 2019 mit aufgebaut.“, sagt Wickert. Im Lord-Zentrum werden realitätsnahe Notfallszenarien trainiert. Mitarbeitende unterschiedlicher Berufsgruppen üben dort gemeinsam den Ernstfall. „Wir bieten eine Vielzahl an Trainings für alle Berufsgruppen an. Das ist in dieser Form im Saarland einzigartig. Gleichzeitig haben wir ein großartiges Team.“
Für Wickert steht fest: Die Qualität der Versorgung beginnt lange vor dem eigentlichen Notfall. „Das Überleben eines Menschen hängt oft von den ersten Maßnahmen ab. Deshalb müssen Abläufe sitzen und Teams optimal zusammenarbeiten.“ Genau hier setzt die Arbeit im Simulationszentrum an. Ziel sei es, die Versorgungsqualität kontinuierlich zu verbessern und die Trainingsangebote weiter auszubauen.
Im Laufe der vergangenen 25 Jahre hat Christian Wickert viel erlebt. Zu den eindrucksvollsten Einsätzen zählt der Einsatz beim Brand in der Püttlinger Klinik. „Es ist unglaublich, wie schnell sich eine Situation zuspitzen kann. Solche Ereignisse zeigen, wie wichtig Vorbereitung und Teamarbeit sind.“ Auch die COVID-19-Pandemie bleibt für ihn unvergessen. „Plötzlich war alles anders. Es herrschte eine enorme Unsicherheit, und niemand wusste genau, was auf uns zukommt.“
Sorge bereitet ihm die zunehmende Gewalt gegen Einsatzkräfte. „Die Zahl der Übergriffe steigt. Die Arbeit auf der Straße ist für Rettungskräfte mittlerweile teilweise so gefährlich geworden, dass Polizeischutz notwendig ist.“ Gleichzeitig beobachtet er eine Entwicklung, die die Versorgungssysteme zusätzlich belastet. „Viele Menschen wissen sich bei kleineren Beschwerden kaum noch selbst zu helfen und suchen sofort den Rettungsdienst oder die Notaufnahme auf. Das erschwert die Versorgung der wirklich schweren Notfälle.“
Zu seinem Beruf gehört auch der Umgang mit Tod und Verlust. „Das ist etwas, woran man sich zunächst gewöhnen muss. Mit der Zeit lernt man, damit umzugehen. Wichtig ist, darüber im Team zu sprechen und die Erlebnisse nicht mit nach Hause zu nehmen.“
Neben seiner Tätigkeit im CaritasKlinikum und auf einer Rettungswache im Regionalverband gehört Wickert zur Prüfungskommission für Notfallsanitäter im Saarland und ist Schöffe am Amtsgericht in Saarbrücken. In seiner Freizeit hält er sich mit Sport fit, fährt gerne Fahrrad und verbringt Zeit mit seinem Hund.
Für die Zukunft hat er ein klares Ziel: die Weiterentwicklung des Lord-Zentrums für Medizinische Simulation: „Noch mehr Menschen sollen dort für Notfälle geschult werden.“ Und persönlich? „Ich möchte alle drei Bereiche weitermachen – die Intensivstation, die Notfallmedizin und die Arbeit im Simulationszentrum. Genau diese Mischung macht meinen Beruf für mich so besonders.“
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