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13.11.2018

Pflege- und Betreuungskonzepte überdenken und neue Modelle entwickeln

Pflegesymposium beleuchtet Möglichkeiten im Umgang mit älter werdenden Patienten

Eine immer größere Anzahl der Patienten, die in Krankenhäusern versorgt werden, ist älter und demenziell verändert. Das verlangt von Pflege und Krankenhäusern eine Anpassung der  Prozesse und ein Überdenken der vorhandenen Strukturen. Aber nicht nur dort – alle Einrichtungen im Gesundheitswesen stehen im Rahmen der demografischen Entwicklung vor gewaltigen Herausforderungen. Das CaritasKlinikum Saarbrücken hatte vor diesem Hintergrund zu einem Pflegesymposium mit dem Thema „Herausforderung Demografie“ eingeladen,  um im Austausch und Diskussion mit Experten und Kollegen einen Abgleich von Theorie und Praxis zu ermöglichen.

 

Martina Stabel-Franz, stellvertretende Abteilungsleiterin im Sozialministerium, überbrachte die Grüße von Ministerin Monika Bachmann an die zahlreichen Teilnehmer. Der Landesregierung liege das Thema Demenz sehr am Herzen, denn es betreffe allein im Saarland über 20.000 Menschen, sagte sie. So habe der Landtag erst vor kurzem einen umfangreichen Maßnahmen-Katalog beschlossen, der unter anderem eine landesweite Sensibilisierungs-Kampagne und die Fortschreibung des Demenzplans vorzieht. „Die Schnittstelle zum Krankenhaus müssen wir besonders im Blick behalten“, betonte Stabel-Franz.

Guido Weiskopf, Pflegedirektor im CaritasKlinikum, führte aus, dass der saarländische Krankenhausplan mit seiner Anpassung der Bettenzahlen den veränderten Rahmenbedingungen bereits Rechnung trage: „Aber die Kliniken müssen auch ihre Pflege- und Betreuungskonzepte überdenken und anpassen und neue Modelle entwickeln, um den veränderten Bedürfnissen der hochbetagten Menschen zu genügen.“

 

Das Spannungsfeld von „Pflege und Selbstbestimmung“ beleuchtete Stephan Manstein, Geschäftsführer der cts Altenhilfe GmbH. „Pflege hat meistens etwas mit Abhängigkeit zu tun. Als beruflich in der Pflege Tätige muss es unser Ziel sein, ein möglichst selbstbestimmtes und selbstständiges Leben in Würde zu unterstützen“, sagte Manstein. So herrsche beim Einzug ins Seniorenheim oft eine große Angst, die Verfügungsgewalt über sich selbst zu verlieren. „Zur Selbstbestimmtheit gehört auch, Besuch zu empfangen, wann man will, zu essen was man  will oder selbst zu entscheiden, ob man lieber Fernsehen oder ein Buch lesen möchte.“ Durch stetig fortschreitende Spezialisierung und Professionalisierung sei der Blick auf den ganzen Menschen oft gefährdet. „Hier ist eine fachübergreifende Abstimmung und interdisziplinäre Zusammenarbeit  besonders wichtig.“

 

Als Chefarzt der Klinik für Geriatrie hat Dr. med Karlheinz Schöll täglich mit hochbetagten, meist multimorbiden Patienten zu tun. „Eine Höchstaltersgrenze ist noch nicht absehbar“, konstatierte er. Demenzkranke seien besonders gefährdet für Komplikationen; ihre Aggressivität, Unruhe oder Reizbarkein würden das Pflegepersonal zusätzlich belasten. „Diesen Fakt müssen wir in alle Therapiekonzepte mit einfließen lassen.“ Am CaritasKlinikum sollen künftig alle Patienten ab 75 Jahren auf Alterserkrankungen untersucht werden. Am Standort Dudweiler sind außerdem Baumaßnahmen geplant, die das Haus zu einem besonders demenzsensiblen Standort machen sollen. Schölls Schlussfolgerung: Das Geriatrische Team sollte nicht nur auf geriatrische Kliniken beschränkt bleiben, sondern in abgestufter Form auch über integrierte Versorgungsmodelle erweitert werden.

 

Mit dem „unruhigen oder unkooperativen“ Patienten in Folge von Demenz, Delir oder Sprachstörungen beschäftigte sich Prof. Dr. Anastasios Chatzikonstantinou, Chefarzt der Klinik für Neurologie. Das Delir, eine plötzlich auftretende akute Verwirrtheit, sei eine der häufigsten Komplikationen eines Krankenhausaufenthalts bei älteren Menschen. Da die Symptome sehr unterschiedlich seien, müsse das Personal besonders aufmerksam sein und den Patienten Sicherheit und Vertrauen vermitteln.

Die gerontopsychiatrischen Fachkräfte Karin Klein und Stefanie Morsch analysierten mit einem „Perspektivwechsel“ die derzeitige Situation im Krankenhaus und stellten fest, dass die bauliche Situation von Kliniken oft nicht dazu geeignet sei, den älteren Patienten Orientierung  zu geben. Zu enge Flure, zu kleine Zimmer, kahle Wände und grelles Licht sorgen eher für Verwirrung. Um die Situation zu verbessern, seien im CaritasKlinikum  bereits verschiedene Ansätze umgesetzt, wie beispielsweise ein Angebot an Sitzgruppen, Bildern und Spielen, aber auch angepasste Farbkonzepte, verbesserte Beschilderungen sowie Identifikations- und Alarmsysteme. „Der stationäre Ablauf muss klientel-orientierter sein“, forderten die Fachpflegerinnen. „Wir müssen die dementiell  erkrankten Patienten dort abholen, wo sie sind. Dabei spielt die Zusammenarbeit mit den Angehörigen, aber auch mit den prä- und poststationären Einrichtungen eine wichtige Rolle.“

Eine bedeutende Einschränkung im Alter, aber auch bei verschiedenen Erkrankungen sei die Nahrungsaufnahme. „Im Alter braucht man insgesamt weniger Energie in Form von Kalorien, hat aber einen verhältnismäßig höheren Nährstoffbedarf. Gerade die Eiweiß-Zufuhr ist zum Erhalt der Muskelmasse besonders wichtig“, betonten Diät-Assistentin Anna Berges und Catering-Leiter Philipp Hüttel. Sie zeigten moderne Möglichkeiten für Patienten, die zum Beispiel nach einem Schlaganfall an Schluckstörungen leiden. So könne zum Beispiel passierte Kost zusätzlich mit Nährstoffen angereichert und schließlich in Formen gestrichen werden, um den Eindruck von Fleisch, Gemüse oder sogar Brot beizubehalten. „Aussehen und Geruch fördern die Bereitschaft zur Nahrungsaufnahme“, sind sich die Experten sicher.

 

Die anschließenden Workshops boten den Teilnehmern die Möglichkeit in einzelnen Fachgebieten ihr Wissen zu erweitern und in den kollegialen Austausch zu gehen. So bot Stefanie Gläser, Einrichtungsleitung im Caritas SeniorenHaus Immaculata, eine Vortrag und einen Austausch zur Kommunikation mit dementiell veränderten  Menschen an. Gesundheits- und Krankenpflegerin Tanja Ladwein beriet zu den Möglichkeiten der  Aromatherapie bei Patienten mit Unruhe und Demenz. Fachkrankenpfleger Markus Heisel beleuchtete das Thema der chronischen Schmerzen im Alter. Die Selbsterfahrung im Altersanzug wurde von Karin Klein, Stefanie Morsch und Sabine Schue angeboten. 

 

An dieser Stelle vielen Dank an alle Akteure, die vor und hinter den Kulissen an dem Gelingen unseres Pflegesymposiums beigetragen haben.

 

Text und Fotos: Nele Scharfenberg