Zum 1. Oktober startet am CaritasKlinikum Saarbrücken eine neue Neurologische Ambulanz im Rahmen der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV). Das neu zugelassene ASV-Team ist das erste Team im Saarland, das auf die ambulante Versorgung von Patientinnen und Patienten mit zerebralen Anfallsleiden (Epilepsie) spezialisiert ist. Ziel ist es, insbesondere Menschen mit komplexen Krankheitsverläufen eine hochspezialisierte, interdisziplinäre Versorgung aus einer Hand zu ermöglichen.
„Epilepsie ist eine sehr vielschichtige Erkrankung. Gerade bei komplexen Verläufen und unklaren Anfallsereignissen besteht ein hoher Bedarf an spezialisierter Diagnostik und Therapie“, erklärt Dr. med. Christoph Massing, Chefarzt der Klinik für Neurologie und Leiter des neuen ASV-Teams. „Mit der Neurologischen ASV-Ambulanz möchten wir die Versorgung im Saarland weiter verbessern und unseren Patientinnen und Patienten eine umfassende Betreuung auf hohem medizinischem Niveau anbieten.“
Im ASV-Team arbeiten speziell qualifizierte Ärztinnen und Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen sowie nichtärztliches Fachpersonal aus niedergelassenen Praxen und Kliniken eng zusammen. Die enge Zusammenarbeit verschiedener Fachdisziplinen ermöglicht es, auch komplexe und schwer zu behandelnde Krankheitsverläufe umfassend zu beurteilen. Bei speziellen Fragestellungen kann das ASV-Team zudem auf ein großes Netzwerk von Kooperationspartnern und weiteren Fachspezialisten zurückgreifen.
Die Diagnostik und Behandlung erfolgen auf Grundlage aktueller medizinisch-wissenschaftlicher Leitlinien und unter Berücksichtigung der jeweils verfügbaren wissenschaftlichen Evidenz und aktueller Forschungsergebnisse.
Ein besonderer Vorteil der neuen Struktur ist die Möglichkeit, bei entsprechender medizinischer Fragestellung auch eine weiterführende Diagnostik einzuleiten, beispielsweise eine stationäre Video-EEG-Ableitung. Dabei werden die elektrische Hirnaktivität und das Verhalten der Patientinnen und Patienten gleichzeitig über einen längeren Zeitraum aufgezeichnet. So können Ereignisse, die im Alltag nur schwer einzuordnen sind, gezielt untersucht werden. Die Untersuchung kann dabei helfen, epileptische Anfälle zu bestätigen oder auszuschließen und – wenn eine Epilepsie vorliegt – Hinweise auf den Ursprung und die Ausbreitung eines Anfalls zu gewinnen.
„Denn nicht jedes Ereignis, das äußerlich wie ein epileptischer Anfall aussieht, ist tatsächlich epileptischer Natur“, erklärt Chefarzt Dr. Massing. „Auch beispielsweise psychogene nicht-epileptische Anfälle, Ohnmachtsereignisse oder Bewegungsstörungen können ähnliche Symptome verursachen. Die Kombination aus Videoaufzeichnung und EEG kann wesentlich dazu beitragen, diese unterschiedlichen Ursachen voneinander abzugrenzen.“
Rund zehn Prozent der Menschen erleben im Laufe ihres Lebens mindestens einmal einen epileptischen Anfall. Ein einzelner epileptischer Anfall bedeutet jedoch nicht automatisch, dass eine Epilepsie vorliegt. Von einer Epilepsie ist nur ein deutlich kleinerer Anteil der Bevölkerung betroffen.
Für einen großen Teil der Menschen mit Epilepsie lässt sich mit Medikamenten eine gute Anfallskontrolle erreichen. Gleichzeitig gibt es eine Gruppe von Patientinnen und Patienten, bei denen die Erkrankung besonders komplex ist, die trotz Behandlung weiterhin Anfälle erleiden oder bei denen die Diagnose beziehungsweise die optimale Therapie nicht eindeutig ist. „Gerade für diese Patientengruppe ist eine spezialisierte Versorgung besonders wichtig. Unser Ziel ist es, Anfälle möglichst vollständig zu verhindern und gleichzeitig die individuell passende Behandlung zu finden“, so Dr. Massing. „Denn wiederkehrende epileptische Anfälle können erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität haben und mit relevanten gesundheitlichen Risiken verbunden sein. Umso wichtiger ist eine möglichst genaue Diagnostik und eine frühzeitige, individuell abgestimmte Therapie.“
Darüber hinaus können im Rahmen der spezialisierten Versorgung auch besondere Fragestellungen berücksichtigt werden, etwa Kinderwunsch und Schwangerschaft bei bestehender Epilepsie, die eine sorgfältige individuelle Beratung und Therapieplanung erfordern.
Mit der Neurologischen ASV-Ambulanz entsteht am CaritasKlinikum Saarbrücken ein spezialisiertes Angebot, das die Expertise von Klinik und niedergelassenem Bereich miteinander verbindet. Die Patientinnen und Patienten profitieren von kurzen Wegen zwischen ambulanter und stationärer Diagnostik sowie von einem interdisziplinären Netzwerk, das auch bei komplexen Fragestellungen zur Verfügung steht.
Die Aufnahme in die ASV erfolgt bei entsprechender medizinischer Indikation auf Überweisung durch eine niedergelassene Neurologin beziehungsweise einen niedergelassenen Neurologen. Die Versorgung richtet sich an gesetzlich versicherte Patientinnen und Patienten, die die Voraussetzungen für die ASV erfüllen.
Mit dem Start zum 1. Oktober erweitert das CaritasKlinikum Saarbrücken damit sein neurologisches Versorgungsangebot um einen wichtigen spezialisierten Baustein – und schließt zugleich eine bestehende Versorgungslücke für Menschen mit komplexen Epilepsien im Saarland.
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