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15.12.2017

Ganzheitliche Betreuung bei Krebserkrankungen

Das zertifizierte Onkologische Zentrum (OZ) am CaritasKlinikum Saarbrücken St. Theresia unter der Leitung von Chefarzt Prof. Dr. med. Michael Clemens bietet umfassende, ganzheitliche und dauerhafte Betreuung bei Krebserkrankungen. Stationäre und ambulante Einrichtungen kooperieren dabei eng miteinander.

Jedes Jahr erkranken ungefähr 500 000 Menschen in Deutschland neu an einer bösartigen Erkrankung. Eine frühzeitige Diagnosestellung mit modernsten Verfahren sowie der interdisziplinäre Einsatz moderner Therapieverfahren können Heilung und Lebenserwartung wesentlich beeinflussen.

 

Fünf organbezogene Untereinheiten

Aus dem onkologischen Schwerpunkt am CaritasKlinikum Saarbrücken St. Theresia entwickelte sich ein überregional ausstrahlendes Zentrum, das mit seinen organbezogenen Untereinheiten (Brustkrebszentrum, Darmkrebszentrum, Kopf-Hals-Tumorzentrum, gynäkologisches Krebszentrum und dem Krebszentrum für Pankreas) die gesamte Breite der Diagnostik, der operativen, strahlentherapeutischen und medikamentösen sowie der palliativmedizinischen Behandlungsmöglichkeiten für Tumorpatienten zur Verfügung stellt.

 

Interdisziplinäre Tumorkonferenzen

Bei den Leistungen des Zentrums, die in interdisziplinären Tumorkonferenzen festgelegt werden, werden neueste Erkenntnisse für den Patienten individuell und maßgeschneidert berücksichtigt und durch Behandlung im Rahmen klinischer Studien unterstützt. Die Diagnostik- und Therapiekonzepte werden unter Berücksichtigung der nationalen und internationalen Leitlinien verfasst. Die Behandlungsergebnisse dokumentiert das Onkologische Zentrum in enger Zusammenarbeit mit dem eigenen Tumordokumentationssystem sowie dem Krebsregister des Saarlandes, wodurch ein direkter Vergleich mit nationalen und internationalen Daten zur Qualitätssicherung und -verbesserung gewährleistet wird.

 

Nachfolgend das Interview mit Professsor Dr. med. Michael Clemens, Leiter Onkologisches Zentrum am CaritasKlinikum Saarbrücken, Chefarzt der Klinik für Hämatologie und Onkologie, das am 23.11.2017 in TK spezial Saarland veröffentlicht wurde: 

 

Eine Tumorerkrankung zieht auch tiefgreifende soziale und psychische Probleme nach sich. 

 

TK spezial Saarland: Auf was sollte ein Krebspatient oder auch der überweisende Arzt achten, wenn eine stationäre Behandlung der Erkrankung notwendig ist?    

 

Prof. Dr. med. Michael Clemens:  Onkologische Patienten sollten darauf achten, dass die Diagnostik und Therapie in einer Institution durchgeführt wird, in der man sich ständig um Tumorpatienten kümmert. Neben der Expertise zur Betreuung von Krebspatienten ist die ganzheitliche Versorgung auf sozialmedizinischem und psychoonkologischem Gebiet notwendig. 

Weiterhin muss ein schmerztherapeutischer und palliativmedizinischer Bereich vorgehalten werden. Die Diagnose einer Tumorerkrankung führt nicht nur zu therapeutischen Konsequenzen gegen die Tumorerkrankung, sondern zieht auch tiefgreifende soziale und psychische Probleme nach sich, die in einem ganzheitlichen Konzept einbezogen sein müssen.

 

TK spezial Saarland: Was sind die besonderen Merkmale einer onkologischen Behandlung im CaritasKlinikum Saarbrücken, welche Vorteile hat ein Patient hier und wie beurteilen diese ihren Aufenthalt in Ihrem Haus?

 

Prof. Dr. med. Michael Clemens: Die bestehende enge Kooperation zwischen den verschiedenen Bereichen (zum Beispiel von Onkologie, Radioonkologie, Chirurgie und Gastroenterologie und Radiologie) ist ein Garant dafür, dass alle Gesichtspunkte bei der Planung der Diagnostik und Therapie berücksichtigt werden können.

 

Da das CaritasKlinikum Saarbrücken ein durch die Deutsche Krebsgesellschaft zertifiziertes Haus ist, wird garantiert, dass alle Patienten Zugang zu den Bereichen haben, die neben der optimalen medizinischen Versorgung für eine ganzheitliche Betreuung notwendig sind (Sozialdienst, Psychoonkologie, Schmerztherapie, Palliativmedizin). Diese Situation gibt es im Saarland so in keiner weiteren Institution, was durch die Zertifizierung durch die Deutsche Krebsgesellschaft dokumentiert ist.

 

TK spezial Saarland: Der Zentrumsgedanke - das heißt die Zusammenführung von komplexen Behandlungen an dafür speziell qualifizierten Einheiten wird in Ihrem Haus ja intensiv gelebt und hat im Sinne der Behandlungsqualität sicherlich einen positiven Einfluss. Im Gegensatz dazu zeichnet sich die saarländische Kliniklandschaft immer noch durch zahlreiche kleine "Maximalversorger" aus. Wie kann ein Nebeneinander von kleinen und großen Krankenhäusern zukünftig funktionieren?

 

Prof. Dr. med. Michael Clemens: Durch einen regen und ständigen Kontakt mit den kleineren Krankenhäusern des Saarlandes werden in der Regel diejenigen Patientinnen und Patienten weiter geleitet, die in einem Zentrum mit entsprechender Expertise behandelt werden sollten. Es gibt Krankheitsbilder, bei denen die Diagnostik und Therapie durchaus in kleineren Krankenhäusern durchgeführt werden können.

 

Immer dann, wenn mehrere Fachgebiete gefragt sind - medizinische Onkologie, Strahlentherapie, Gastroenterologie, Chirurgie, Radiologie usw.- sollte ein Transfer in ein Zentrum vorgenommen werden. Die interdisziplinären Tumorkonferenzen sind dann bei uns die alle Informationen zusammenführenden Veranstaltungen, wo die Expertise der unterschiedlichen Fachgebiete eingebracht wird.

 

Nur interdisziplinär kann man den richtigen diagnostischen und therapeutischen Weg für den Krebspatienten finden. Weiterhin ist zu beachten, dass es wichtig ist, bei oft komplizierten operativen und nicht-operativen Therapieverfahren eine entsprechend hohe Fallzahl pro Jahr zu behandeln. Erfahrung macht den Meister!

 

TK spezial Saarland: Die in Deutschland relativ starke Trennung zwischen ambulantem und stationärem medizinischem Bereich wird zur Zeit intensiv diskutiert. Was unternimmt das Onkologische Zentrum um diese Grenze zumindest durchlässiger zu machen und welche Vorteile hat das für Ihre Patienten?    

 

Prof. Dr. med. Michael Clemens: Wir haben im CaritasKlinikum Saarbrücken die Möglichkeiten, die Brücke zwischen der stationären und der ambulanten Behandlung von Tumorpatienten zu schlagen. Wir betreiben im ambulanten Bereich ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ), behandeln Krebspatienten im Rahmen des §116b SGB V und der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) sowie in der Ermächtigungsambulanz. Damit können wir zwischen dem stationären und ambulanten Bereich für alle Patienten einen nahtlosen Übergang gewährleisten.  

 

TK spezial Saarland: Auch die Notwendigkeit der stärkeren Digitalisierung im Gesundheitswesen ist in aller Munde. Die TK entwickelt zum Beispiel eine elektronische Gesundheitsakte mit IBM Deutschland. Wo sehen Sie die Chancen einer flächendeckenden Nutzung elektronischer Möglichkeiten in der Medizin und nutzen Sie bereits welche?

 

Prof. Dr. med. Michael Clemens:  Als zertifiziertes Onkologisches Zentrum sind wir verpflichtet, eine genaue Tumordokumentation zu erstellen, die verschiedenen Zwecken dient. Einerseits wird sie verwendet, um eng mit dem Saarländischen Krebsregister kooperieren zu können. Andererseits dient die Dokumentation dazu, bei den Zertifizierungen genau von der Deutschen Krebsgesellschaft überwacht werden zu können.

 

Die Zertifizierung und die damit verbundene Tumordokumentation bedeutet in diesem Zusammenhang, dass ohne großen Aufwand ein Vergleich mit anderen Zentren Deutschlands hergestellt werden kann. Es findet ein sog. Benchmarking statt, d.h. dass unsere Behandlungsergebnisse mit den besten deutschen Zentren verglichen werden. Wenn es bei uns qualitative Probleme gäbe, würden diese rasch identifiziert werden und müssten wir diese beseitigen, um weiterhin zertifiziert sein zu können. Unsere Daten gehen in Datenbanken der Deutschen Krebsgesellschaft ein und könnten natürlich auch allen behandelnden Ärzten des einzelnen Patienten unter Berücksichtigung des Datenschutzes in entsprechenden Portalen zur Verfügung gestellt werden. 

 

TK spezial Saarland: Herzlichen Dank für das Interview!

 

Zur Person:

Professor Dr. med. Michael R. Clemens studierte und promovierte an der Medizinischen Fakultät der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen. Nach der Weiterbildung zum Facharzt für Innere Medizin folgte im Jahr 1986 seine Habilitation. Anschließend folgten unter anderem Tätigkeiten als Oberarzt und Leitender Oberarzt an der Medizinischen Universitätsklinik und Poliklinik Tübingen, Vorsitzender der Arzneimittelkommission des Universitätsklinikums Tübingen und Chefarzt der Inneren Medizin I im Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen Trier. Seit April 2015 ist Prof. Dr. Clemens Chefarzt an der Klinik für Hämatologie und Onkologie am CaritasKlinikum St. Theresia in Saarbrücken.

 

 Quelle: TK-Spezial, TK-Landesvertretung Saarland