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04.02.2020

Grippevirus ist aggressiver als Coronavirus

Dr. med. Constantin Marcu, Oberarzt der Klinik für Kardiologie, Pneumologie und Angiologie am CaritasKlinikum Saarbrücken zum Umgang mit dem neuen Virus

Die Grippe (verursacht durch das Influenza-Virus) fordert jedes Jahr zahlreiche Menschenleben, was von vielen Personen ohne Sorgen zur Kenntnis genommen wird. Beim neuen Coronavirus hingegen sind die Sorgen derzeit sehr groß. Ist das aber berechtigt?


Weltweit kommt es laut Weltgesundheitsorganisation - WHO zu drei bis fünf Millionen schweren Grippefällen jährlich. Davon versterben bis zu 650.000 Menschen an der Viruserkrankung. Während der Saison im Winter 2017/2018 starben in Deutschland nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts 25.000 Menschen an der Grippe. Eine klare Prognose für das Jahr 2020 haben wir nicht. Seit Oktober 2019 gab es in Deutschland 32 Grippetote.


Mit dem Coronavirus sind offiziellen chinesischen Angaben zufolge in China mehr als 6.000 Menschen (Stand 02. Februar) infiziert und mindestens 360 an Lungenkomplikationen gestorben. Außerhalb Chinas sind noch keine Todesfälle gemeldet, aber rund 100 Infektionen, darunter einige in Deutschland. Zum Tode führt eine Infektion mit dem Coronavirus hauptsächlich bei Menschen mit schweren Vorerkrankungen (Menschen mit Herz- oder Lungenkrankheiten, Krebspatienten, ältere Menschen, immunkompromittierte Patienten).


„Wir geraten immer leicht in Panik, wenn eine neue und unbeherrschbare Gefahr erscheint. Wir sehen die Berichte aus China, Millionenmetropolen werden abgeriegelt und viele Menschen sterben. Es herrscht aber eine klare Expertenmeinung: Todesangst vor dem Coronavirus ist zum jetzigen Zeitpunkt unangemessen“, sagt Dr. Constantin Marcu, Oberarzt der Klinik für Kardiologie, Pneumologie und Angiologie am CaritasKlinikum Saarbrücken.


Er erklärt weiter: Die Übertragung des Influenza- und Coronavirus ist ähnlich: Häufig durch feine Tröpfchen in der Atemluft, die beim Husten oder Niesen entstehen. Auch über direkten Kontakt wie Händeschütteln kann sich das Virus verbreiten. Die Inkubationszeit des Influenzavirus beträgt ein bis zwei Tage. Ist die Grippe ausgebrochen, ist man meist fünf bis sieben Tage lang ansteckend. Beim neuen Coronavirus ist die Ansteckungsgefahr bisher unbekannt. Die erkrankten Menschen können das Virus weitergeben bevor sie selbst Symptome aufweisen. Die Inkubationszeit beträgt zwei bis 14 Tage.


Grundsätzlich ähneln sich die Symptome der Virusgrippe und die der Infektion mit Coronaviren sehr. Die Grippe beginnt häufig plötzlich mit Fieber, Muskel- und/oder Kopfschmerzen. Häufig kommen etwas später Reizhusten, Halsschmerzen oder Schnupfen dazu.


Nach derzeitigem Wissen kann eine Infektion mit Coronaviren Fieber und Husten verursachen; schwergradige Komplikationen wie Lungenentzündung können auftreten. Die oberen Atemwege sind kaum betroffen. Weitere Symptome der neuen Viruserkrankung können Schüttelfrost, Kopfschmerzen und Atemnot sein. Da Fieber mit der Infektion zusammenhängt, werden an einigen internationalen Flughäfen Wärmebildkameras eingesetzt, um die infizierten Patienten effektiver und früher zu diagnostizieren.


Folgende Hinweise gibt Dr. Marcu an diejenigen, die sich schützen wollen: „Um sich vor dem Influenza- und vor dem Coronavirus zu schützen, muss man verstärkt auf Hygiene achten. Regelmäßige und gründliche Händehygiene ist ein wichtiger Baustein der Prävention; keine Hände schütteln und zu den Personen mit Erkältungsanzeichen wie Husten, Schnupfen oder Fieber, Abstand zu halten sind weitere essentielle Maßnahmen.“


Den Einsatz von Atemmasken sieht der Pneumologe eher kritisch: Nach Meinung von Experten bieten Atemmasken kaum Schutz. Der übliche Mundschutz wird kritisch gesehen: das Tragen sei übertrieben und bringe wenig. Wird man direkt angehustet oder befindet man sich mit einem Erkrankten längere Zeit (über 15 Minuten), im selben Raum, bietet die übliche Maske keinen Schutz. Aus Sorge vor dem Coronavirus erleben die Apotheken derzeit eine enorme Nachfrage nach Atemmasken und vielerorts sind diese ausverkauft.


Die Behandlung der neuen Viruserkrankung erfolgt symptomatisch und supportiv, das heißt unterstützend und begleitend. Wenn sich der klinische Zustand verschlechtert, wird eine zusätzliche Beatmung erforderlich. Bislang gibt es für die Coronaviren keine spezifischen antiviralen Medikamente.


Gerade bei alten und abwehrgeschwächten Menschen kann die Influenza zu schweren Verläufen führen. Dass man sich dagegen aber impfen kann, wissen viele nicht. Risikogruppen- also Menschen, die ein schwaches Immunsystem haben, bereits an einer Lungenerkrankung leiden oder älter als 60 Jahre sind, sollten sich impfen lassen. Für das neue Coronavirus gibt es bisher keinen Impfstoff.


Dr. Marcus Fazit: „Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Virusgrippe und eine Infektion mit Coronaviren miteinander vergleichbar sind. Eine Infektion mit Coronaviren kann zu schwergradigen Komplikationen führen - wie die Virusgrippe auch. Die Virusgrippe fordert jedes Jahr unzählige Todesopfer - weit mehr als die Coronavirus-Infektion bisher. Somit ist Todesangst vor dem Coronavirus zum jetzigen Zeitpunkt unangemessen. Sogar eine Infektion ist statistisch gesehen recht unwahrscheinlich, deshalb ist eine Panik unangebracht.“

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