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23.05.2014

Von Früherkennung bis zu neusten Operationsmethoden – verbesserte Heilungschancen auch bei fortgeschrittenem Darmkrebs

Onkologisches Patientenseminar am 20. Mai 2014 - Mit über 60 000 Neuerkrankungen pro Jahr ist der Darmkrebs in Deutschland immer noch – für beide Geschlechter – die häufigste Krebsart. Im Saarland erkranken jährlich 900 Menschen, für über 400 hat die Diagnose Darmkrebs tödliche Folgen.

Onkologisches Patientenseminar am 20. Mai 2014 - Mit über 60 000 Neuerkrankungen pro Jahr ist der Darmkrebs in Deutschland immer noch – für beide Geschlechter – die häufigste Krebsart. Im Saarland erkranken jährlich 900 Menschen, für über 400 hat die Diagnose Darmkrebs tödliche Folgen.

 

Erste Anzeichen eines Darmkrebses äußern sich eher in Befindlichkeitsstörungen, wie Müdigkeit, Nachtschweiß oder Leistungsminderung. Und gerade weil die Symptome anfangs nicht besorgniserregend sind, wird der Darmkrebs häufig erst sehr spät erkannt. Dabei ist er, mit Hilfe von Vorsorgemaßnahmen, größtenteils vermeidbar. Immer noch nutzen weniger Männer als Frauen die Vorsorge – obwohl das Risiko zu erkranken, für Männer höher ist.

 

„Die schmerzlose Darmblutung ist das häufigste und gleichzeitig alarmierendste Symptom eines Hämorrhoidalleidens,“ warnt der Saarbrücker Koloproktologe Dr. Horst Mlitz. Mehr als 70 Prozent seiner Patienten leiden daran. Hämorrhoiden an sich seien aber keine Krankheit, sie sind Teil des Kontinenzorgans im Darm, erst wenn sie sich verändern, müsse behandelt werden, so Mlitz. Je nach Symptomschilderung der Patienten, werde zunächst „ausgetastet.“ Ist eine Darmblutung aber sehr dunkel –oder hat der Patient zusätzliche Beschwerden, wie Durchfall oder Stuhlunregelmäßigkeiten, ist eine Darmspiegelung erforderlich. Nur so kann genau differenziert werden, ob es sich um einen entzündlichen Prozess handelt oder gar um einen Tumor. In der Darmspiegelung sieht Mlitz einen weiteren Vorteil: „Die meisten Darmkrebse entstehen aus einer bestimmten Polypensorte, den Adenomen. Diese Polypen kann der Arzt bereits während der Darmspiegelung entfernen. Durch die Herausnahme all dieser Polypen, lässt sich das Darmkrebsrisiko um mehr als 90 Prozent senken.“ Auch bei völliger Beschwerdefreiheit, habe man, mit 55 Jahren, Anspruch auf eine Darmspiegelung als Vorsorgemaßnahme.

Als elementar bei Hämorrhoidalleiden, bezeichnete Mlitz die ballaststoffreiche Ernährung. Zur Linderung der schmerzhaften Symptome gäbe es zwar verschiedene Salben, Zäpfchen und Analtampons, die aber nicht die Ursachen des Leidens bekämpfen. Die hierfür notwendigen Therapien, wie Verödung, Ligatur oder Infrarot-Koagulation demonstrierte Dr. Mlitz mit zahlreichen Bildern.

 

Lautet die Diagnose Darmkrebs, setzt die Tumorchirurgie zunehmend auf laparoskopische Verfahren. Diese schonende Chirurgie und die minimal invasiven Operationstechniken, stellte Frank Schütze, stellvertretender Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Tumorchirurgie, dem Publikum vor. Wie ein Tumor laparoskopisch entfernt wird, zeigte Schütze in mehreren OP-Filmen. Das Publikum konnte, quasi aus Sicht des Chirurgen, den Weg durchs Darminnere bis zum Tumor mitverfolgen. Dann die Tumorentfernung mittels Ultraschallschnitt. „Mit Ultraschall kann man auch größere Blutgefäße ohne Blutung durchtrennen“ erklärt Schütze und verweist auf einen weiteren Vorteil dieser Operationsmethode, die bessere Sicht: „das Bild auf dem Monitor ist sieben- bis achtmal größer als das Original, man kann alles besser erkennen.“ Auch die Genesung der Patienten sei, schon durch die kleinere Wunde, sehr viel schneller, so Schütze. Bewährt habe sich die laparoskopische Operation insbesondere für Eingriffe des End, bzw. Mastdarmes, des linksseitigen Dickdarmes und zur Schnittverringerung bei Eingriffen des rechtsseitigen Dickdarmes.

 

Etwa ein Drittel aller Patienten mit Darmkrebs hat zum Zeitpunkt der Diagnose bereits Metastasen in anderen Organen, meist in Leber und Lunge. „Trotzdem ist noch lange nicht Schluss, es gibt noch gute Heilungschancen“, betont Professor Dr. Ralf Metzger, Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Tumorchirurgie. Wichtig sei die interdisziplinäre Zusammenarbeit, so könne Chemotherapie und/oder Strahlentherapie den Tumor zum Schrumpfen bringen, dann lasse er sich besser operieren. „Die Leber hat eine ungeheure Regenerationsfähigkeit, muss ein Teil wegen Metastasen entfernt werden, wächst neues Lebergewebe nach“, erklärte der Chefchirurg.

 

Moderne Technik sei eine ungeheure Hilfe, um vor einer Operation das bösartige Gewebe genau lokalisieren zu können, Computeranimationen ergänzen die wichtige Planung. „Der Chirurg sieht, wo steht der Feind – womit muss ich rechnen“, so Metzger wörtlich. Zur Verdeutlichung zeigte er, unter anderem, die minimal invasive Entfernung einer Lungen- und einer Lebermetastase.

 

Durch die Zusammenarbeit von Chirurgie, Strahlentherapie und Onkologie sind die Heilungschancen für Patienten deutlich gestiegen - selbst ein Darmkrebs mit Metastasen ist also noch lange kein Todesurteil.