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02.12.2014

Aus dem Takt - Herzseminar unter der Schirmherrschaft der Deutschen Herzstiftung

Von harmlos bis lebensbedrohlich – unter Herzrhythmusstörungen leiden mehr als 1,8 Millionen Menschen in Deutschland. Zum Patientenseminar am 10. November im CaritasKlinikum Saarbrücken St. Theresia stellten die Chefärzte Dr. Andreas Schmitt und Privatdozent Dr. Michael Kindermann alle Formen von Herzrhythmusstörungen und die jeweils optimalen Verfahren zur Diagnostik und Therapie in den Focus.

Von harmlos bis lebensbedrohlich – unter Herzrhythmusstörungen leiden mehr als 1,8 Millionen Menschen in Deutschland. Zum Patientenseminar am 10. November im CaritasKlinikum Saarbrücken St. Theresia stellten die Chefärzte Dr. Andreas Schmitt und Privatdozent Dr. Michael Kindermann alle Formen von Herzrhythmusstörungen und die jeweils optimalen Verfahren zur Diagnostik und Therapie in den Focus.

 

„Normalerweise schlägt das Herz 60 bis 80 mal pro Minute, unter Belastung ungefähr 160 mal,“ beziffert PD Michael Kindermann den gesunden Herzrhythmus.“ Verantwortlich ist unser körpereigener Schrittmacher, der Sinusknoten. Der schickt dazu elektrische Impulse ans Herz,“ macht Kindermann mittels Bildern deutlich. „Diese Impulse sehen wir im EKG, welches das Spiegelbild der elektrischen Aktion des Herzens ist. Sind die Impulse zu langsam, zu schnell oder unregelmäßig spricht man von einer Herzrhythmusstörung.“ Ob es eine harmlose oder gefährliche Variante sei, müsse ein Facharzt für Kardiologie abklären. Auch seien Rhythmusstörungen keine eigenständigen Erkrankung, sie folgen auf bis dato unerkannten Bluthochdruck, auf Herzmuskelerkrankungen, oder kranke Herzkranzgefäße. Auch Diabetes, Schilddrüsenüberfunktion oder Übergewicht gelten als Auslöser für Herzrhythmusstörungen. 

 

„Manchmal spüren die Patienten davon gar nichts, sie haben keine Beschwerden“, so Kindermann. Symptome wie Ursachen sind ganz unterschiedlich. Schlägt das Herz zu schnell, liegt eine Tachycardie vor, schlägt es zu langsam, heißt das Bradycardie. Dann gibt es das „Stolperherz“, das im EKG Extrasystolen zeigt. Die Betroffenen leiden an Kurzatmigkeit, Schwindel, Herzklopfen – oder rasen. „Vorrangig ist immer, die Ursache zu finden – dann kann man gezielt behandeln“ so Kindermann. Allerdings gäbe es manchmal keinen Auslöser, „das Stolpern ist dann eine Laune der Natur“, sagt Kindermann und müsse in diesem Fall auch nicht behandelt werden. 

 

Im Gegensatz zum „Vorhofflimmern“, das zum Schlaganfall führen könne. „Pro Jahr resultieren ungefähr 30 000 Schlaganfälle aus Vorhofflimmern“, warnt  Kindermann. Vorhofflimmern kann akut, anfallsweise oder andauernd auftreten. Hier können Medikamente helfen, die den Rhythmus stabilisieren und die Herzfrequenz herabsetzen. Zur Vorbeugung des Schlaganfalles ist es in den meisten Fällen notwendig, die Blutgerinnung zu hemmen. Hier kommen Marcumar oder einer der neueren Gerinnungshemmer zum Einsatz. Bei manchen Patienten kann durch eine Katheterablation im Bereich der Lungenvenen das Entstehen von Vorhofflimmern wirkungsvoll unterbunden werden.  

 

Für Patienten mit der gefährlichsten Form der Rhythmusstörung, dem „Kammerflimmern“, ist ein implantierter Defibrillator lebensrettend. „Der „Defi“ erkennt die Rhythmusstörung und beendet sie mittels Stromstoß,“ so Kindermann. Nicht erkannt und nicht behandelt, führt Kammerflimmern zum „Plötzlichen Herztod“, dem allein in Deutschland jedes Jahr bis zu 200 000 Menschen erliegen.  

 

Medikamente - und wann welche speziellen Herzschrittmacher sinnvoll sind, erläuterte Dr. Andreas Schmitt, Chefarzt Kardiologie und Pneumologie „Das Herz ist ein ästhetisches wunderbares Organ“, beginnt Schmitt und erklärt zunächst das elektrische System, das die Herzmuskulatur antreibt und damit für die Bewegungen des Herzens verantwortlich ist. „Wenn die Erregungsbildung oder die Reizleitung im Herzen gestört sind, kommt es zur Rhythmusstörung, zur Arrhythmie“, zeichnet Schmitt den Weg der Erkrankung auf. Von regelmäßig über unregelmäßig von zu schnell über zu langsam – jedwede Kombination ist möglich. 

 

Immer ist neben einer eventuell erforderlichen Behandlung eine Suche nach potentiellen Ursachen für die Rhythmusstörungen erforderlich, um gegebenenfalls eine kausale, d. h. eine an den Ursachen orientierte Therapie einleiten zu können. Zur genauen Rhythmus-Diagnose kommen Aufzeichnungen durch EKG, Langzeit-EKG und bei unklaren seltenen Rhythmusstörungen durch den implantierbaren Herzmonitor (Ereignisrekorder) zum Einsatz. Letzterer überwacht den Herzschlag bis zu vier Jahre rund um die Uhr, ist also ein implantierbares Dauer-EKG und nur so groß wie eine Chipkarte. „Das Gerät zeichnet alle Rhythmusstörungen von Bedeutung auf und speichert die Daten. Damit können wir alle Ereignisse genau nachverfolgen“, erklärt Schmitt. 

 

„Ein zu langsamer Herzschlag ist ein elektrisches Problem, das auch elektrisch gelöst werden muss; wir setzen dann Herzschrittmacher ein,“ konstatiert Schmitt und beschreibt, bei welchen Problemen welcher Schrittmacher notwendig ist. Mit einer über 35-jährigen Erfahrung ist seine Klinik eines der führenden Herzschrittmacher-Zentren in der Region. 

 

Von 1- und 2-Kammerherzschrittmachern zum 3-Kammerschrittmacher, der bei schlechter Pumpleistung und gleichzeitigem Linksschenkelblock implantiert wird. Ist die Pumpleistung des Herzens auf unter 35 Prozent gesunken, ist ein Defibrillator sinnvoll, weil prognoseverbessernd. „Dieser gibt bei lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen innerhalb von Sekunden einen Schock-Strom ab, der die bedrohliche Rhythmusstörung sofort beenden kann“, so Schmitt - und wie das funktioniert, kann er sogar mit der EKG-Aufzeichnung eines Herzstillstands und der sofortigen Aktion des Defis demonstrieren. „Ein Novum ist der subkutane Defibrillator, eine „Schock-Box“, bei der die immer erforderliche Defi-Elektrode nicht mehr im Herzen selbst liegt, sondern über dem Brustbein unter die Haut implantiert wird. 

 

Im interaktiven Teil des Seminars standen Dr. Andreas Schmitt und Dr. Michael Kindermann den Seminarteilnehmer im vollbesetzten großen Konferenzraum Rede und Antwort.