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03.06.2015

Atemnot – Was hilft? - Patientenseminar COPD

Fast jeder vierte über 50jähige in Deutschland ist von dieser vielschichtigen Krankheit betroffen. Erste Anzeichen der COPD bleiben oft unerkannt.

Fast jeder vierte über 50jähige in Deutschland ist von dieser vielschichtigen Krankheit betroffen. Erste Anzeichen der COPD bleiben oft unerkannt, nach Jahren führt die Erkrankung allerdings zu schwerer Atemnot und verläuft im schlimmsten Fall tödlich.

 

COPD steht für „Chronic Obstructive Pulmonary Disease“, auf Deutsch: dauerhaft atemwegsverengende Lungenerkrankung. Die drei Hauptsymptome sind Atemnot, Husten und Auswurf. Eine Heilung gibt es nicht–wohl aber Möglichkeiten zur Behandlung.

 

Von Medikamenten über Atemtherapie bis zur Operation: die Referenten stellten im Patientenseminar (20. Mai 2015) des CaritasKlinikums Saarbrücken St. Theresia sämtliche Behandlungsmöglichkeiten vor. Der Chefarzt der Kardiologie und Pneumologie, Dr. Andreas Schmitt begrüßte mehr als 100 interessierte Gäste und stimmte sie auf das Seminar ein.


COPD ist, mit schätzungsweise sechs Millionen Betroffenen in Deutschland, nicht nur eine häufige, sondern auch eine sehr eure Krankheit. Jährlich entstehen daraus Kosten von zirka 40 Milliarden Euro.


Die Referenten ließen keinen Zweifel daran, dass das Rauchen die Hauptursache für die COPD darstellt. Die Sterblichkeit an COPD steigt weiter an, und wird voraussichtlich (von derzeit Platz vier) bis zum Jahr 2020 auf Platz drei aller Todesursachen vorrücken. Schon heute sterben in Deutschland jedes Jahr 120 000 Menschen durch die Folgen des Rauchens.


Wie funktioniert die normale Atmung und welche gravierenden Störungen treten als Folge einer COPD auf? Dies erklärte Oberarzt

und Lungenfacharzt Dr. med. Günter Kirsch in seinem anschaulich bebilderten ersten Vortrag.


Bei der Einatmung strömt die Luft durch die vielfach verzweigten Bronchien bis zu den winzigen Lungenbläschen. Dort wird der lebensnotwendige Sauerstoff aus der Atemluft ins Blut aufgenommen. Gleichzeitig gelangt das im Stoffwechsel entstandene Kohlendioxid aus dem Blut in die Lungenbläschen und wird anschließend ausgeatmet. Sind die Bronchien gesund, kann die Luft frei hindurch strömen. Die COPD bewirkt eine bleibende Einengung der kleinen Atemwege, sodass die Strömung der Luft behindert wird. Weil diese Störung vor allem bei der Ausatmung auftritt, können sich die Lungenbläschen nicht mehr ausreichend entleeren. Sie werden immer mehr überbläht und allmählich zerstört. So kommt es zu einer bleibenden Vergrößerung der Lungen, dem Emphysem.


In den gesunden Bronchien werden eingeatmete Stäube und Schadstoffe von einer dünnen Schleimschicht eingefangen und anschließend durch winzige Flimmerhärchen abtransportiert. Infolge des Rauchens werden die Flimmerhärchen zunächst gelähmt und später zerstört. Dadurch wird der wichtigste Reinigungsmechanismus der Bronchien gestört. Der zunehmend zähe Schleim kann nur noch durch Husten herausbefördert werden. So entstehen der typische Raucherhusten und der regelmäßige und zum Teil eitrige Auswurf.


Ist der natürliche Abtransport von Schadstoffen derartig gestört, entsteht ein idealer Nährboden für Erreger und damit für Entzündungen, die wiederum das Lungengewebe angreifen. Wer jetzt noch weiter raucht, steuert auf einen Abgrund zu, nimmt stetig mehr Probleme und sinkende Lebensqualität, sogar den frühen Tod in Kauf.


„Diese Abwärtsspirale können wir mit gezielter Behandlung unterbrechen“ macht Dr. Kirsch Hoffnung. Dazu zählen nicht nur Medikamente, vor allem zum Inhalieren, sondern auch ausreichend Bewegung, gesunde Ernährung und vor allem anderen die Aufgabe des Rauchens. Bei Verschlimmerung, der Exazerbation, können Antibiotika, kurzfristige Cortison-Behandlung und im Extremfall eine Behandlung auf der Intensivstation notwendig werden.


Die Atemtherapie ist die Domäne von Tanja Hahn. „Inhalieren ist seit der Antike bekannt“, weiß die Therapeutin. Sie hat diverse Hilfsmittel und Geräte dabei und zeigt praxisnah, wie diese benutzt werden. Dosieraerosole und Pulverinhalatoren entspannen die Bronchialmuskulatur, auch Cortisonverwandte Medikamente können über die Inhalation gezielt auf das Atmungssystem einwirken. Da inzwischen unzählige Geräte auf dem Markt sind, gelte es, für jeden Patienten das jeweils geeignete auszusuchen – immer individuell abgestimmt auf seine Bedürfnisse. „Genau so wichtig ist auch die richtige Anwendung“ betont Tanja Hahn und weil auch hier viele Patienten Probleme beim Ausatmen haben, demonstriert Tanja Hahn die sogenannte „Lippenbremse“, die sich als hilfreich erwiesen habe.


Für Patienten, die unter quälender Atemnot leiden, bringt die Gabe von Sauerstoff Linderung, den wir über eine Nasensonde zuführen können. Bei Erschöpfung der Atemmuskulatur kann eine maschinelle Beatmung helfen. Diese Form der Atemunterstützung kann über eine fest sitzende Gesichtsmaske in der Klinik begonnen und später während des Schlafes zuhause durchgeführt werden“, erklärt Dr. Kirsch. Dadurch kann sich die ermüdete Atemmuskulatur wieder erholen und neue Reserven aufbauen. Hilfreich im Alltag seien auch physikalische Hilfsmittel zur Schleimlösung, aber auch das Einüben entlasten¬der Körperpositionen.


„In jedem von uns steckt ein kleiner Radiologe“ schmunzelt Dr. Constantin Marcu, Lungenfacharzt und Oberarzt in der Kardiologie und Pneumologie. „Damit wir die Lunge in ihrer Funktion verstehen, müssen wir sie sehen“ meint er und zeigt entsprechende Röntgenbilder. Da gibt es gesunde Lungenflügel, dann aufgeblähte, ganz dunkle mit zum Teil zerstörtem Gewebe und flachem Zwerchfell.


Manchmal ist es sinnvoll eine überblähte, zu groß gewordene Lunge operativ zu verkleinern. Die andere, die endoskopische Lungenvolumenreduktion, kommt ohne Operation aus, sei aber auch nur für einen Bruchteil der Patienten geeignet, für lediglich 0,8 Prozent. Die unterschiedlichen Techniken hierzu seien seit mehr als zehn Jahren in der Entwicklung Hier werden kleine Spiralen oder Ventile eingesetzt. Wie die funktionieren, erklärt Dr. Marcu, “Die Ventile werden in den Luftweg eines Lungenlappens platziert. Diese Ventile sorgen dafür, dass Luft und Flüssigkeit aus dem Lungenlappen entweichen können, aber die eingeatmete Luft kann nicht hinein. Dadurch verringert sich das Volumen des kranken Lungenlappens, gesündere Teile der Lunge können sich voll ausdehnen“.


An die Referate schloss sich eine lebhafte Diskussion an, in der Betroffene und ihre Angehörige viele Fragen aus ihrem Alltag stellen konnten. Dabei wurden die vorgetragenen Themen durch viele Details zum Leben mit der Erkrankung COPD ergänzt.